Tobias Prüwer

Kritik der MitteDer Nabel der Welt


150 Seiten (Printausgabe)

Erscheinungsjahr 2022


15,00 

Alle reden von Mitte. Man soll die eigene Mitte finden. Positionen wähnen sich als Nabel der Welt. Auch rechte Parteien wollen Mitte sein. Im Gegensatz zur belächelten Peripherie gilt Mitte als Zentrum, als Gutes an sich und neutrale Balance zwischen Extremen: Seien es Laster, Klimabedingungen oder politische Ansichten.
Dieser kulturellen und politischen Prägung durch das Mitte-Motiv spürt das Buch nach. Es vermisst das weite Symbolfeld der Mitte und kritisiert die Konsequenzen unreflektierter weltanschaulicher Kategorien: von den Diskussionen um die mittlere Lage Deutschlands in Europa, die geographische Mitte Deutschlands oder den Begriff Mitteldeutschland über die unhaltbare Extremismus-Theorie und die Mobilisierung angeblicher Mittelschichten bis zu einer verschleiernden Identitätspolitik, die sich als Norm setzt, um von „Minderheiten“ nicht behelligt zu werden. Das zeichnet das Buch über eine facettenreiche Kulturgeschichte hinaus als aktuellen Debattenbeitrag aus.

  • Broschur
    ISBN: 978-3-96824-008-4
    15,00 

Pressestimmen

Freitag, Ausgabe 23/2022: »Zentrum – Unwillkürlich verbinden wir mit dem Wort „Mitte“ etwas Positives. Die politische Mitte, maßvoll handeln, im Zentrum sein statt an der Peripherie – seit der Antike durchzieht eine wirkmächtige Semantik der Mitte (nicht nur) das abendländische Denken. Von Aristoteles’ Mesotes-Lehre führt der Weg bis zum bundesrepublikanischen Gründungsmythos, dass Deutschland eine Mittelstandsgesellschaft sei. Kein Wunder also, dass alle Mitte sein wollen. Dass der Begriff diese positive affektive Konnotation gar nicht verdient hat, ja die Fixierung auf die Mitte sogar gefährlich ist, zeigt Tobias Prüwer in Kritik der Mitte (Parodos) mit Tiefenbohrungen in Kultur, Politik und Geschichte, die das Fundament des Mythos durchlöchern. Schließlich wohnt auch im Sonnensystem eine dunkle Mitte, die alles verschlingt: ein schwarzes Loch.« Leander F. Badura